Norwegen, Spitzbergen und Island 1

Norwegen, Spitzbergen und Island MS 3 28.06. - 15.07.17

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Anreise nach Kiel

Wir sind auf eigene Faust nach Kiel gereist, wie immer haben wir eine Übernachtung in der Nähe von Hamburg eingelegt, um am Anreisetag stressfrei nach Kiel zu kommen. So waren wir auch diesmal früh am Schiff. Die Koffer haben wir am Hafen abgegeben und das Auto dann ins Parkhaus am Jensendamm gebracht, wo wir es bei Start in Kiel immer unterstellen. Das Parkhaus ist nur wenige hundert Meter vom Hafen entfernt und bietet spezielle Tarife für Kreuzfahrer. Wir haben damals etwas über 100€ für die 14 Tage bezahlt. Das Parkhaus ist eine gute günstigere Alternative zu den Parkmöglichkeiten direkt am Terminal.

 

Als das Auto abgestellt war, sind wir die wenigen hundert Meter zum Terminal gelaufen und haben eingecheckt. Der Check In war wie immer sehr zügig, die Kabine allerdings noch nicht bereit, so das wir erst einmal ins Anckelmannsplatz gegangen sind, um dort eine Kleinigkeit zu essen.

Als die Kabine gerichtet war, haben wir uns erstmal häuslich eingerichtet. Stauraum gibt es bei Mein Schiff genug, selbst wenn man wie wir sehr viele Sachen dabei hat weil man auf dieser Reise auf alles vorbereitet sein muss. Bei dieser Reise war von 0 Grad und eisigem Wind bis über 20 Grad und Sonnenschein alles dabei. Nach der obligatorischen Seenotrettungsübung war es dann soweit, mit einem Glas Sekt haben wir uns zu der Musik von Unheilig von Kiel verabschiedet. Nach einem Seetag würden wir Bergen erreichen, das erste Ziel unserer Reise.

Bergen 30.06.17

Bergen ist das Tor zu den norwegischen Fjorden und eigentlich bei jeder Norwegen Kreuzfahrt im Programm. Die UNESCO Welterbestadt hat ca. 272.000 Einwohner. Bergen hat seinen Besuchern viel zu bieten. Wunderschöne historische Gebäude, sieben Hausberge und eine Innenstadt, die zum Bummeln und Flanieren einlädt. Bergen hat über 280 Regentage im Jahr, wer Bergen im Regen nicht kennt, kennt Bergen nicht. Also ist es ratsam sicherheitshalber wasserdichte Kleidung dabei zu haben. Uns hat Bergen allerdings zweimal mit bestem Wetter begrüßt, erst beim dritten Besuch hatten dann auch wir einen regnerischen Tag in dieser schönen Stadt.

Ausführliche Informationen zum Hafen, zu örtlichen Anbietern, öffentlichen Verkehrsmitteln und Ausflügen auf eigene Faust in Bergen habe ich hier hinterlegt.

Bei unserem zweiten Besuch in Bergen lag unser Schiff an dem etwas weiter entfernten Kreuzfahrthafen Jekteviken. Hier kann man den Hafen nicht zu Fuß verlassen, ein Shuttlebus bringt die Kreuzfahrer zum Hafenausgang. Der Weg bis zum Hanseviertel Bryggen ist etwas weiter als von den anderen Liegeplätzen, aber trotzdem gut machbar. Ihr kommt einfach von der anderen Seite in die Stadt.

Wir waren bereits zwei Jahre zuvor in Bergen und hatten uns schon viel angesehen. Diesmal wollten wir uns mit einem Freund treffen, der vor Jahren nach Norwegen ausgewandert war. Wir machten uns einfach einen schönen Tag mit ihm, wir hatten uns viel zu erzählen. Was wir bei unserem ersten Besuch in Bergen erlebt haben, findet Ihr hier.

Geiranger 01.07.17

Geiranger liegt am Ende des gleichnamigen Fjordes, der eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Norwegens ist. Der kleine Ort hat etwas mehr als 200 Einwohner, alle leben vom Tourismus. Mehr als 700.000 Besucher kommen jedes Jahr hierher, da kann es gut sein, das auf die 240 Einwohner bis zu 3000 Kreuzfahrttouristen kommen. Geiranger selbst ist sehr überschaubar, deshalb machen die meisten Kreuzfahrer Ausflüge in die wunderschöne Umgebung. 

Ausführliche Informationen zum Hafen, zu örtlichen Anbietern, öffentlichen Verkehrsmitteln und Ausflügen auf eigene Faust in Geiranger habe ich hier hinterlegt.

Fahrt durch den Geirangerfjord

Eine Fahrt durch den Geirangerfjord ist das Highlight einer jeden Norwegenkreuzfahrt. Hier lohnt es sich wirklich, früh auf zu stehen, um die Durchfahrt des Fjordes zu genießen. Wir durften dies schon das zweite Mal genießen und auch, diesmal war ich wieder sprachlos, ob dieses Naturerlebnisses. Langsam bahnen sich die Kreuzfahrtschiffe ihren 15 Kilometer langen Weg durch den zum Teil nur 600 Meter breiten Fjord. Rechts und links kann man je nach Wetterlage unzählige Wasserfälle sehen, wenn es vorher ausreichend geregnet hat, in ihrer vollen Pracht.

Der Geirangerfjord ist einer der bekanntesten Fjorde Norwegens und ist seit 2005 Unesco Weltkulturerbe.

Bekannt sind die Wasserfälle "Die sieben Schwestern" und    "Freya" die sich direkt gegenüber liegen. Der Sage nach buhlte Freya nacheinander um die Gunst der Schwestern, als diese ihn jedoch verschmähten, begann er zu trinken. Der Wasserfall ähnelt in seiner Form einer Flasche.

Wanderung zum Storsetterfossen.

Diese Wanderung hatten wir auch 2015 schon gemacht, waren damals aber nicht bis zum Wasserfall gekommen. Der Wasserfall liegt auf 550 Metern Höhe und meine Kondition hatte mir damals einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dieses Mal hatte ich den Anspruch an mich, dort hoch zu kommen. 

Wer zum Storsetterfossen wandern möchte, hält sich gleich nach der Touristeninformation (hier erhält man auch eine Wanderkarte für Geiranger) an der Straße nach rechts und geht in Richtung des kleinen Wasserfalles. Die Wanderkarte könnt Ihr auch hier ansehen. Direkt hinter dem Hotel Union, führt links ein Weg in Richtung Wasserfall. Diesem folgt man, ca. 300 Meter bergauf, was für ungeübte schon sehr sportlich ist. Nach 300 Höhenmetern erreicht man das Hotel und Restaurant Westerås, das mit einer großen Außenterasse zu einer Pause einlädt. Hier war beim letzten Mal für mich Schluss, heute war ich besser drauf und fühlte mich gut genug, die restlichen 200 Höhenmeter anzugehen. Nachdem wir eine kurze Pause eingelegt und etwas getrunken hatten, sind wir zur zweiten Etappe aufgebrochen. Etwas neidisch habe ich auf eine Reisegruppe von Mein Schiff geschaut, die bis hierhin mit dem Bus gefahren waren und nur die zweite Hälfte vor sich hatten. 

Wenn man von Westerås los läuft, biegt man gleich nach den Hütten auf der linken Seite ab. Hier steht auch ein Hinweisschild zum Storsetterfossen. Die letzten 200 Meter haben es nochmal in sich, einige aus der Mein Schiff Gruppe haben auch relativ schnell aufgegeben. Das kam für uns jetzt nicht mehr infrage, wir wollten nach oben. Zu unserem Glück sind wir irgendwann hinter einer Dame gelandet, die in einem auch für uns richtigen Tempo langsam aufstieg. So hatten wir es dann endlich geschafft und der Anblick des Wasserfalls hat uns sofort für alle Strapazen entschädigt. Der Weg hier hinauf lohnt sich wirklich.

Es ist möglich hinter den Wasserfall zu laufen, was wir auch getan haben. Dazu sollte man keine Höhenangst haben und unbedingt festes Schuhwerk tragen. Der Weg führt über schmale Treppen hinab und ist nass und damit auch rutschig. Vorsicht ist also geboten, vor ein paar Jahren ist hier ein Leichtsinniger abgestürzt und konnte erst Wochen später gefunden werden. Wer sich an die Vorschriften hält kann dieses Erlebnis aber gefahrlos genießen.

Westerås

Auch diesmal wollten wir in Westerås eine Pause einlegen, um dort Waffeln mit Jordbær (Erdbeermarmelade)und Rømme (ähnlich wie Sauerrahm) zu essen. Da wir wussten, das die Mein Schiff Reisegruppe dort auch einkehren würde, sind wir vor Ihnen los gegangen. Runter geht es deutlich einfacher und so waren wir zügig wieder an dem kleinen Berghof. So konnten wir schon mal bestellen, bevor die Gruppe eintraf. Die norwegischen Waffeln sind wirklich göttlich und die hatten wir uns diesmal ja auch erarbeitet. Erdbeeren und somit auch die Marmelade sind in Norwegen sehr lecker, das liegt daran, das sie während der Sommermonate fast 24 Stunden Sonne abbekommen. Wegen der niedrigen Temperaturen wachsen sie zwar langsam, durch die vielen Sonnenstunden sind sie aber sehr süß. Nach unserer kleinen Mittagspause ging es zurück nach Geiranger. Diesmal haben wir uns noch ein bisschen Zeit genommen und den wirklich sehr überschaubaren Ort angeschaut.

Café Olé

Das Café Olé , bietet lostenloses W- Lan, man findet es leicht da sich dort auch die meisten Crewmitgieder aufhalten um mit ihren Familien zu telefonieren. 

Hier gibt es einen super leckeren Schokoladenkuchen, den man am besten mit einer Kugel Eis genießt. Auch der Kaffee ist sehr gut, in Norwegen trinkt man traditionell gebrühten Kaffee und das sehr häufig. Die Norweger trinken durchschnittlich 3,3 Tassen Kaffee pro Tag und liegen damit in Europa hinter den Finnen auf Platz zwei.

Wir hatten wieder einmal einen tollen Tag in Geiranger und sind zufrieden, müde und mit beginnendem Muskelkater zurück zum Schiff gelaufen.

Nordkap 03.07.17

Honningsvåg

Honningsvåg mit seinen knapp 2500 Einwohnern ist das Tor zum Nordkap. Honningsvåg wird nicht nur täglich von Schiffen der Hurtigrouten angelaufen, sondern wegen des nur 40km entfernten Nordkaps in den Sommermonaten auch von zahlreichen Kreuzfahrtschiffen. Honningsvåg und Hammerfest buhlten um den Titel "nördlichste" Stadt der Welt. Man einigte sich und nun hat Honningsvåg das Nordkap und Hammerfest den Titel als nördlichste Stadt.

Das Norkap ist ein steil aus dem Meer ragendes  Schieferplateau, das oft fälschlicherweise als nördlichster Punkt Europas bezeichnet wird. Den nördlichsten Punkt europäischen Festlandes findet man aber weiter westlich mit dem Kinnarodden auf der Nordkinnhalbinsel.

Das kann dem Nordkap allerdings nicht seine Faszination nehmen. Seit der italienische Priester Francesco Negri als erster Tourist das Nordkap besuchte, zieht es Reisende aus aller Welt hierher.

Nahezu alle Passagiere wollen das Nordkap besuchen und nutzen dafür den von der Reederei angebotenen relativ teuren Transfer. Wir waren erst am späten Nachmittag am Nordkap, so das es viele Transferzeiten bis in die Nacht gab. Das ist aber wegen der Mittsommernacht kein Problem war, es bleibt ja sehr lang taghell.

Wir waren bereits 2015 hier und hatten lange überlegt, ob wir erneut den doch recht teuren Transfer zum Nordkap buchen sollen. Wir hatten uns dann trotzdem zu einem zweiten Besuch entschlossen, da wir beim ersten Mal etwas Pech mit dem Wetter hatten und es sehr neblig war. Da wir erst abends in Honnigsvåg angelegt hatten, blieb uns diesmal der obligatorische Stopp an einem Samizelt erspart und wir fuhren direkt zum Nordkap. Die Fahrt dauert etwas über eine halbe Stunde und führt durch eine wirklich wunderschöne Landschaft, in der man immer wieder Rentiere sehen kann. Am Nordkap angekommen haben wir diesmal nur schnell das auch obligatorische Foto an der bekannten Weltkugel gemacht. Im Untergeschoss des Hauptgebäudes ist ein kleiner Kinosaal, in dem ein wirklich anspruchsvoll gemachter Film über das Nordkap zu den vier Jahreszeiten gezeigt wird. Den solltet Ihr Euch unbedingt ansehen. Außerdem sind im Untergeschoß noch eine kleine Kapelle die sehr sehenswert ist und ein kleines Postamt. Hier könnt Ihr für 10€ ein Nordkap Zertifikat erwerben, das vor Ort abgestempelt wird. Ein hübsches Andenken für zu Hause.

Spitzbergen 05.07.17

Spitzbergen befindet sich im arktischen Ozean zwischen Norwegen und dem Nordpol. hier findet der Besucher eine einzigartige Tierwelt, alte Bergbaustädte und arktische Eislandschaften und das Ganze mit einer spröden, fast unheimlichen Schönheit. Auf Svalbard leben ca. 3000 Menschen, 2000 davon in Longyearbyen, dem Verwaltungszentrum Svalbards.

Longyearbyen

In Longyearbyen wollten wir ursprünglich eine Hundeschlittenfahrt machen. Der Ausflug war aber sofort ausgebucht, so das wir uns eine Alternative suchen mussten. Diese war auch bald gefunden, wir buchten eine Tagestour bei Spitzbergen Adventures die individuelle Ausflüge in kleinen Gruppen anbieten. Als wir vor dem Hafen auf den Guide warteten und uns umsahen, wurde uns schnell klar, das Spitzbergen im Sommer eine sehr staubige Angelegenheit ist. Longyearbyen und seine Umgebung wirken wie die Kulisse eines Endzeitfilms. Irgendwie war ich froh, keine Hundeschlittenfahrt gebucht zu haben, in dieser Umgebung hätten wir nur Staub und Einöde gesehen. 

Unser Guide kam pünktlich, eine sympathische Deutsche, die für ein halbes Jahr hier lebt und arbeitet. Noch größer war die Freude, als wir feststellten, das wir die einzigen gebuchten Gäste waren. Das würde wirklich ein sehr individueller Tag werden. 

Wissenswertes über Longyearbyen

Longyearbyen ist der größte Ort von Spitzbergen und zugleich auch das Verwaltungszentrum. Die Stadt ist einer der nördlichsten Orte der Welt. Sie wurde 1906 von John Munroe Longyear gegründet, der mit seiner Familie hier Urlaub machte und sofort erkannte, das es hier große Kohlevorkommen gab.

Schnell entstand eine Bergarbeiterstadt, die im zweiten Weltkrieg zerstört und danach gleich wieder aufgebaut wurde.

Heute ist nur noch eine Zeche im Betrieb, die hauptsächlich das Kraftwerk Longyearbyens versorgt.

Longyearbyen lebt vom Tourismus, die Stadt ist Ausgangspunkt für viele Exkursionen und Ausflüge und 

verfügt über ein Straßennetz von 40km und einen kleinen Flughafen.

In und um Longyearbyen wird geforscht. Ein Großteil der Einwohner sind Studenten, die sich mit dem Klima in der Arktis beschäftigen.

Auch eine Außenstelle des norwegischen Polarinstitutes , sowie das UNIS, eine Projekt mehrerer norwegischen Universitäten und ein Langzeitlager für Saatgut befinden sich hier.

Svalbard Kirche

Die Kirche ist nicht nur für die Bewohner Longyearbyens zuständig, sondern auch für andere Gemeinden in Svalbard. 1921 erbaut, wurde sie im zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Als Svalbard 1941 evakuiert wurde, nahm der damalige Priester Just Phillip Christian Kruse die wertvollen und geweihten Gegenstände mit nach England, so dass sie nicht verloren gingen. 1958 wurde die neu erbaute Kirche eingeweiht und steht bis heute für alle Menschen Tag und Nacht offen. Sie ist nicht nur Kirche, sondern auch Gemeindehaus und Treffpunkt für die Einwohner.

Wer die Kirche betreten möchte, muss sich erst einmal am Eingang die Schuhe ausziehen, was übrigens auch in ganz Longyearbyen üblich ist. 

Durch das Kirchencafé  betritt man den kleinen Kirchraum, nach dem Gottesdienst sitzt man hier gerne noch zusammen.

 

Der Gedenkstein

Vor der Kirche in Svalbard steht ein Gedenkstein, der von Nico Widerberg entworfen wurde. Er soll an den 22.07.2011 erinnern, den Tag, an dem Anders Behring Breivig auf der Insel Utøya 77 Menschen, darunter viele Kinder mit einem islamistischen Hintergrund ermordete. Auch 5 Kinder aus Longyearbyen waren auf Utøya, der 14 jährige Johannes Buø starb bei dem Anschlag, der 18 jährige Viljahr Hanssen überlebte schwer verletzt. 

Der Friedhof

Mit Blick auf den Friedhof erfuhren wir noch etwas skurriles über Longyearbyen, hier ist Sterben verboten und das hat einen guten Grund, im Permafrost ist das Bestatten einfach unmöglich. Spitzbergen befindet sich nahe der Arktis und der Boden ist das ganze Jahr gefroren. 

Strenggenommen ist also nicht das Sterben, sondern das Bestatten verboten, da die Leichen im Eis nicht verwesen und  früher oder später genau wie Ötzi wieder auftauchen. 

Nachdem man diese besonderen Umstände entdeckt hatte, wurde 1950 das Sterbeverbot im Gesetz festgeschrieben.

Damals wurden bei der Untersuchung der gut erhaltenen Toten sogar noch lebende Viren der spanischen Grippe von 1918 gefunden. Heutzutage werden die todkranken oder Verstorbenen aufs norwegische Festland geflogen.

Ohnehin ist es in Longyearbyen nicht ganz ungefährlich, auf 2000 Einwohner kommen ca. 3500 Eisbären.

Vorsicht Eisbär

Wenn man Longyearbyen verlässt, begegnet man unweigerlich diesem Schild. Ab hier darf man nur noch weitergehen, wenn man ein Gewehr bedienen darf oder einen Guide dabei hat, der dies kann. Da es mittlerweile gar nicht mehr selten ist das man einem Eisbären begegnet, ist die Vorsichtsmaßnahme auch absolut sinnvoll. Durch das Verschwinden des Eises aus der Arktis sind die Eisbären bei der Nahrungssuche zunehmend gezwungen sich auch in die Nähe von Städten zu bewegen. 

Wenn sich Eisbären hierher verirren, sind sie meist schon sehr entkräftet und hungrig und dementsprechend gefährlich. Aus diesem Grund wird in Longyearbyen auch kein Auto oder Haus verschlossen, bzw. lassen die Bewohner die Tür zur Sauna auf, damit sich die Menschen bei einer Begegnung mit einem Eisbären in Sicherheit bringen können.

Die Natur auf Spitzbergen ist wirklich schaurig schön und sehr abwechslungsreich. Aber vor allem ist sie wahnsinnig beeindruckend.
Die Natur auf Spitzbergen ist wirklich schaurig schön und sehr abwechslungsreich. Aber vor allem ist sie wahnsinnig beeindruckend.

Besuch auf einer kleinen Huskiefarm

Nachdem wir uns kurz die Zeche Longyeabyens angesehen haben, haben wir einen Zwischenstopp bei einer Huskiefarm eingelegt. Hier leben sowohl noch aktive Huskies, als auch Hunde, die hier Ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. Diese werden manchmal von dem Anbieter unserer Tour zum Spaziergang mitgenommen. Leider ging das an diesem Tag nicht, so das es bei reichlich Streicheleinheiten geblieben ist. 

Und wie immer, wenn ich in Norwegen eine Huskiefarm besuche, war ich wieder fasziniert darüber, wie freundlich und ehrlich diese Hunde sind. Auch wenn sie im Umgang mit Menschen doch deutlich von unseren Haushunden abweichen, sind sie sehr freundlich und aufgeschlossen, nur halt ein wenig ungestüm. 

Als wir die Farm verließen, kam uns ein Rollschlitten mit mehreren Hunden entgegen und ich war heilfroh, nicht hier eine Hundeschlittenfahrt gebucht zu haben. Die Straßen sind im Sommer sehr staubig und die Schlitten fahren hintereinander. Ähnlich wie bei einer Safari bekommt man den Staub des Vordermannes ab. Das kann weder den Hunden, noch den Gästen wirklich Spaß machen. Wir empfehlen eine Hundeschlittenfahrt im Winter.

Absolut notwendig bei einem Besuch Spitzbergens und einem Ausflug wie wir ihn gemacht haben sind knöchelhohe, wasserdichte Wanderstiefel, da es durchaus auch mal durch Wasser geht. Wir waren nicht gut vorbereitet, da wir zwar Wanderschuhe haben, aber nur Halbschuhe. Deshalb fiel unsere Wanderung leider kürzer aus als geplant. Eine passende Auswahl an Wanderstiefeln findet Ihr hier. Wer wie wir auch nur Halbschuhe hat, kann sich wunderbar mit wasserdichten Gamaschen behelfen, diese sorgen auch für trockene Füße.

Wanderung in Longyeabyen

Nun ging es auf der einzigen Straße durch Longyearbyen hindurch am Flughafen vorbei, die Straße ist abrupt zu Ende und es geht in die Natur. Ausgerüstet und bewaffnet begannen wir unsere Wanderung. Durch die einzigartige, aber auch raue Natur ging es an einer stillgelegten Zeche vorbei, die eine perfekte Kulisse für einen Mad Max Film abgeben würde, raus aus der Stadt. Die Gegebenheiten bei einer Wanderung auf Spitzbergen sind sehr wechselhaft, entsprechend flexibel muss die Route unter Umständen angepasst werden. Den ursprünglich geplanten Weg konnten wir an diesem Tag nicht gehen, stattdessen sind wir in Richtung Strand gelaufen. Auf dem Weg sind wir noch auf brütende Vögel gestoßen, die keinen Spaß verstehen, wenn man sich den Nestern nähert. Sie haben spitze Schnäbel und versuchen die Menschen in den Kopf zu picken, was unserem Guide gerade einen Tag zuvor passiert war. Auf Anraten unseres Guides hatten wir uns mit Stöcken bewaffnet, diese kamen dann auch zum Einsatz. Wir wedelten ähnlich einem Hubschrauber mit den Stöcken über unseren Köpfen und änderten sofort die Richtung, um die Vögel zu beruhigen. Diese Vögel brüten überall auf Spitzbergen, somit kann man überall angegriffen werden. Auf dem Rückweg haben wir weitere Passagiere gesehen, die sich wehren mussten. Nur kannten diese wohl den Grund nicht. Und wieder hat sich die Wahl eines privaten Guides als lehrreich erwiesen.

In Longyearbyen leben auch Eider Enten, aktuell gibt es ca. 27.000 Brutpaare. Hier habe ich das erste mal gesehen, wie man Eider Daunen gewinnt, die Enten werden nämlich nicht gerupft, sondern die Daunen die die Tiere auf natürliche Weise in der Mauser verlieren, werden von Hand gesammelt und das macht die Eiderdaune so wertvoll und teuer.

Am Strand gab es dann Mittagessen aus Tüten, das einfach mit heißem Wasser zubereitet wird. Erstaunlicherweise war es wirklich lecker. 

Unsere Wanderung durch die teilweise unwirklich wirkende Natur Spitzbergens war unheimlich schön, hier haben wir die Nähe zur Arktis schon sehr deutlich gespürt, nie zuvor waren wir in einer vergleichbaren Natur unterwegs. Sie wirkt durchaus schroff und abweisend, ich fand sie aber absolut faszinierend und in mir wuchs gleich der Wunsch, irgendwann einmal eine Tour in die Antarktis machen zu wollen. 

Stadtbummel durch Longyearbyen

Nach dem ausgedehnten Mittagessen hat unser Guide uns in der Stadt abgesetzt, unsere Tour war leider schon zu Ende. Wir hatten noch Zeit bis zum Ablegen und haben noch das kleine Städtchen erkundet, wie immer musste noch ein Magnet her. Viel gibt es hier auch nicht zu sehen, einige schnuckelige kleine Geschäfte, ein kleines Einkaufszentrum und das war es auch schon.

Karlsberger Pub

Uns war der Karlsberger Pub empfohlen worden, der sich gerade im Sommer größter Beliebtheit erfreut. Und das hat seinen Grund, der Pub hat keine Fenster und ist damit fast der einzige Ort, in dem man während des Midsommers in Longyearbyen so etwas wie Dunkelheit erlebt. In den Sommermonaten wird es hier abends richtig voll. Wir vermuten, das die Menschen auf den Bildern an den Wänden des Pubs Minenarbeiter waren. Wir haben ein leckeres Bier getrunken und die tolle Atmosphäre des Pubs auf uns wirken lassen.

Der Postkasten des Weihnachtsmannes

Besucher Longyearbyens sind seit 2013 an einem riesigen, roten Briefkasten vorbeigekommen. Wer wollte, konnte hier Post für den Weihnachtsmann einwerfen. Die Idee hatte  Po Lin Lee, die sich mit viel persönlichem Einsatz und Geld für ihr Projekt eingebracht hat. 

Da die Baugenehmigung nur für zwei Jahre galt, begann 2015 das Gerangel um den Briefkasten. Die Optionen waren Abriss oder die Verlängerung der Genehmigung. Es begann ein jahrelanger Streit, der 2017 damit endete, das Po Lin Lee den Briefkasten vorsichtig abbauen ließ, bevor er von der Stadtverwaltung Longyearbyens abgerissen werden konnte.

Heute versucht Po Linn Lee immer noch, ihn an einer anderen Stelle der Stadt wieder aufzustellen, aber auch andere auswärtige Interessenten stehen bereit, um ihm eine neue Heimat zu geben.

Somit hat dieses Foto für uns fast einen historischen Wert und schmückt heute eine Wand unserer Wohnung.

Svalbard Brauerei

Robert und Anne Grete Johansen hatten die Idee, gutes norwegisches Bier auf einem der nördlichsten Flecken der Erde zu brauen. Dies war aber gar nicht so einfach, denn ein Gesetz von 1928 verbot den Ausschank von alkoholischen Getränken, die Minenarbeiter sollten sich nicht ständig betrinken. 

2011 wollte Robert mit dem Bierbrauen starten, 2014 war es dann endlich soweit, das Gesetz wurde geändert und Robert wurde die Braulizenz erteilt. Am 01. August 2015 konnte die Produktion starten, seitdem wächst die Produktion stetig, 20.000 Liter Bier können hier jährlich gebraut werden.

Für 42€ Euro kann die Brauerei besichtigt werden, anschließend wird natürlich noch ordentlich Bier probiert. Termine findet Ihr hier.

Nordenskiöldbreen Gletscher

Nach dem Ablegen haben wir noch einen Abstecher in den Sassenfjord gemacht, um im Tempelfjord, einem Nebenarm des Sassenfjordes vor der Gletscherfront des Tunabreens  vor Anker zu gehen. Die Durchfahrt auf den Gletscher zu konnten wir nur mit Bildern der Bugkamera genießen, da wir eine Heckkabine hatten, dann aber drehte die MS 3 und wir hatten von unserem Balkon aus eine grandiose Sicht auf den Gletscher. 

Mit einem kleinen Boot wurde ein im Wasser treibender Eisbrocken aus dem Wasser gefischt und später wurden auf dem Pooldeck die Drinks mit diesem Eis serviert.

Mit uns zusammen war noch die Amadea von Phönix im Fjord, da war die Poolparty unüberhörbar schon im Gang. Nachdem das Stück Treibeis an Bord war, war es an der Zeit Spitzbergen zu verlassen und Kurs auf Akureyri zu nehmen. Uns hat Spitzbergen wirklich sehr gut gefallen, das war bis jetzt unsere eindrucksvollste Destination, die Lust auf mehr Nordland gemacht hat.

Zum zweiten Teil meines Reiseberichtes mit Reykjavik und Akureyri kommt Ihr hier.

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