Spitzbergen 05.07.17

Spitzbergen 05.07.17

Spitzbergen befindet sich im arktischen Ozean zwischen Norwegen und dem Nordpol. hier findet der Besucher eine einzigartige Tierwelt, alte Bergbaustädte und arktische Eislandschaften und das ganze mit einer spröden, fast unheimlichen Schönheit. Auf Svalbard leben ca. 3000 Menschen, 2000 davon in Longyearbyen, dem Verwaltungszentrum Svalbards.

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In Longyearbyen wollten wir ursprünglich eine Hundeschlittenfahrt machen. Der Ausflug war aber sofort ausgebucht, so das wir uns eine Alternative suchen mussten. Diese war auch bald gefunden, wir buchten eine Tagestour bei Spitzbergen Adventures, die individuelle Ausflüge in kleinen Gruppen anbieten. Als wir vor dem Hafen auf den Guide warteten und uns umsahen, wurde uns schnell klar, das Spitzbergen im Sommer eine sehr staubige Angelegenheit ist. Longyearbyen und seine Umgebung wirken wie die Kulisse eines Endzeitfilms. Irgendwie war ich froh, keine Hundeschlittenfahrt gebucht zu haben, in dieser Umgebung hätten wir nur Staub und Einöde gesehen. 

Unser Guide kam pünktlich, eine symphatische Deutsche, die für ein halbes Jahr hier lebt und arbeitet. Noch größer war die Freude, als wir feststellten, das wir die einzigen gebuchten Gäste waren. Das würde wirklich ein sehr individueller Tag werden. 

Wissenswertes über Longyearbyen

Longyearbyen ist der größte Ort von Spitzbergen und zugleich auch das Verwaltungszentrum. Die Stadt ist einer der nördlichsten Orte der Welt. Sie wurde 1906 von John Munroe Longyear gegründet, der mit seiner Familie hier Urlaub machte und sofort erkannte, das es hier große Kohlevorkommen gab.

Schnell entstand eine Bergarbeiterstadt, die im zweiten Weltkrieg zerstört und danach gleich wieder aufgebaut wurde.

Heute ist nur noch eine Zeche im Betrieb, die hauptsächlich das Kraftwerk Longyearbyens versorgt.

Longyearbyen lebt vom Tourismus, die Stadt ist Ausgangspunkt für viele Exkursionen und Ausflüge und 

verfügt über ein Straßennetz von 40km und einen kleinen Flughafen.

In und um Longyearbyen wird geforscht. Ein Großteil der Einwohner sind Studenten, die sich mit dem Klima in der Arktis beschäftigen.

Auch eine Außenstelle des norwegischen Polarinstitutes , sowie das UNIS, eine Projekt mehrerer norwegischen Universitäten und ein Langzeitlager für Saatgut befinden sich hier.

 

Svalbard Kirche

Die Kirche ist nicht nur für die Bewohner Longyearbyens zuständig, sondern auch für andere Gemeinden in Svalbard. 1921 erbaut, wurde sie im zweiten Weltkrieg völlig zerstört. 

Als Svalbard 1941 evakuiert wurde, nahm der damalige Priester Just Phillip Christian Kruse die wertvollen und geweihten Gegenstände mit nach England, so das sie nicht verloren gingen. 1958 wurde die neu erbaute Kirche eingeweiht und steht bis heute für alle Menschen Tag und Nacht offen. Sie ist nicht nur Kirche, sondern auch Gemeindehaus und Treffpunkt für die Einwohner.

Wer die Kirche betreten möchte, muss sich erst einmal am Eingang die Schuhe ausziehen, was übrigens auch in ganz Longyearbyen üblich ist. 

Durch das Kirchencafé  betritt man den kleinen Kirchraum, nach dem Gottesdienst sitzt man hier gerne noch zusammen.

Vor der Kirche erfuhren wir noch etwas skurriles über Longyearbyen, hier ist Sterben verboten und das hat einen guten Grund, im Permafrost ist das Bestatten einfach unmöglich. Spitzbergen befindet sich nahe der Arktis und der Boden ist das ganze Jahr gefroren. 

Strenggenommen ist also nicht das Sterben, sondern das Bestatten verboten, da die Leichen im Eis nicht verwesen und  früher oder später genau wie Ötzi wieder auftauchen. 

Nachdem man diese besonderen Umstände entdeckt hatte, wurde 1950 das Sterbeverbot im Gesetz festgeschrieben.

Damals wurden bei der Untersuchung der gut erhaltenen Toten sogar noch lebende Viren der spanischen Grippe von 1918 gefunden. Heutzutage werden die todkranken oder Verstorbenen aufs norwegische Festland geflogen.

Der Gedenkstein

Vor der Kirche in Svalbard steht ein Gedenkstein, der von Nico Widerberg entworfen wurde. Er soll an den 22.07.2011 erinnern, den Tag, an dem Anders Behring Breivig auf der Insel Utøya 77 Menschen, darunter viele Kinder mit einem islamistischen Hintergrund ermordete. Auch 5 Kinder aus Longyearbyen waren auf Utøya, der 14 jährige Johannes Buø starb bei dem Anschlag, der 18 jährige Viljahr Hanssen überlebte schwer verletzt. 

Der Friedhof

Mit Blick auf den Friedhof erfuhren wir noch etwas skurriles über Longyearbyen, hier ist Sterben verboten und das hat einen guten Grund, im Permafrost ist das Bestatten einfach unmöglich. Spitzbergen befindet sich nahe der Arktis und der Boden ist das ganze Jahr gefroren. 

Strenggenommen ist also nicht das Sterben, sondern das Bestatten verboten, da die Leichen im Eis nicht verwesen und  früher oder später genau wie Ötzi wieder auftauchen. 

Nachdem man diese besonderen Umstände entdeckt hatte, wurde 1950 das Sterbeverbot im Gesetz festgeschrieben.

Damals wurden bei der Untersuchung der gut erhaltenen Toten sogar noch lebende Viren der spanischen Grippe von 1918 gefunden. Heutzutage werden die todkranken oder Verstorbenen aufs norwegische Festland geflogen.

Ohnehin ist es in Longyearbyen nicht ganz ungefährlich, auf 2000 Einwohner kommen ca. 3000 Eisbären.

Vorsicht Eisbär

Wenn man Longyearbyen verlässt, begegnet man unweigerlich diesem Schild. Ab hier darf man nur noch weitergehen, wenn man ein Gewehr bedienen darf, oder einen Guide dabei hat, der dies kann. Da es zwar selten aber trotzdem durchaus vorkommen kann, das man einem Eisbären begegnet, ist die Vorsichtsmaßnahme auch absolut sinnvoll. 

Wenn sich Eisbären hierher verirren, sind sie meist schon sehr entkräftet und hungrig und dementsprechend gefährlich. Aus diesem Grund wird in Longyearbyen auch kein Auto oder Haus verschlossen, bzw. lassen die Bewohner die Tür zur Sauna auf, damit sich die Menschen bei einer Begegnung mit einem Eisbären in Sicherheit bringen können.

Die Natur auf Spitzbergen ist wirklich schaurig schön und sehr abwechslungsreich. Aber vor allem ist sie wahnsinnig beeindruckend.
Die Natur auf Spitzbergen ist wirklich schaurig schön und sehr abwechslungsreich. Aber vor allem ist sie wahnsinnig beeindruckend.

Besuch auf einer kleinen Huskiefarm

Nachdem wir uns kurz die Zeche Longyeabyens angesehen haben, haben wir einen Zwischenstopp bei einer Huskiefarm eingelegt. Hier leben sowohl noch aktive Huskies, als auch Hunde, die die hier Ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. Diese werden manchmal von dem Anbieter unserer Tour zum Spaziergang mitgenommen. Leider ging das an diesem Tag nicht, so das es bei reichlich Streicheleinheiten geblieben ist. 

Und wie immer, wenn ich in Norwegen eine Huskiefarm besuche, war ich wieder fasziniert darüber, wie freundlich und ehrlich diese Hunde sind. Auch wenn sie im Umgang mit Menschen doch deutlich von unseren Haushunden abweichen, sind sie sehr freundlich und aufgeschlossen, nur halt ein wenig ungestüm. 

Als wir die Farm verließen, kam uns ein Rollschlitten mit mehreren Hunden entgegen und ich war heilfroh, nicht hier eine Hundeschlittenfahrt gebucht zu haben. Die Straßen sind im Sommer sehr staubig und die meisten Fahrten werden in Rollschlitten mit bis zu 10 Personen durchgeführt. Das kann weder den Hunden, noch den Gästen wirklich Spaß machen. Ich bin froh, das wir gewartet haben, bis es zwei Jahre später im Winter mit der Huskieschlittenfahrt in einer idyllischen Winterlandschaft geklappt hat.

Absolut notwendig bei einem Besuch Spitzbergens und einem Ausflug wie wir ihn gemacht haben sind knöchelhohe, wasserdichte Wanderstiefel, da es durchaus auch mal durch Wasser geht. Wir waren nicht gut vorbereitet, da wir zwar Wanderschuhe haben, aber nur Halbschuhe. Deshalb fiel unsere Wanderung leider kürzer aus als geplant. Eine passende Auswahl an Wanderstiefeln findet Ihr hier. Wer wie wir auch nur Halbschuhe hat, kann sich wunderbar mit wasserdichten Gamaschen behelfen, diese sorgen auch für trockene Füße.

Wanderung auf Spitzbergen

Nun ging es auf der einzigen Straße durch Longyearbyen hindurch am Flughafen vorbei in die Natur. Hier war nun auch das Gewehr einsatzbereit. Durch die einzigartige, aber auch raue Natur ging es an einer stillgelegten Zeche vorbei, die eine perfekte Kulisse für einen Mad Max Film abgeben würde, raus aus der Stadt. Über Schieferfelder wanderten wir eine Weile, bis wir einen kleinen Strand erreichten, an dem wir unser Mittagessen einnahmen. Auf dem Weg sind wir noch auf brütende Vögel gestoßen, die keinen Spaß verstehen, wenn sich Menschen den Nestern zu sehr nähern. Sie haben auch sofort einen Angriff gestartet, so das wir uns mit Brettern bewaffneten, damit sie uns nicht attackieren konnten und zugesehen haben, sofort die Richtung zu ändern,  wodurch die Vögel uns nicht mehr als Gefahr angesehen haben. Diese Vögel brüten auch an den Straßen, so das wir auf dem Rückweg zum Schiff noch andere Passagiere gesehen haben, die attackiert wurden. Nur wussten diese wohl den Grund nicht. Und wieder hat sich die Wahl eines privaten Guides als lehrreich erwiesen.

In Longyearbyen leben auch einige Eider Enten. Hier habe ich das erste mal gesehen, wie man Eider Daunen gewinnt, die Enten werden nämlich nicht gerupft, sondern die Daunen die die Tiere auf natürliche Weise in der Mauser verlieren, werden von Hand gesammelt und das macht die Eiderdaune so wertvoll und teuer.

Am Strand gab es dann Mittagessen aus Tüten, das einfach mit heißem Wasser zubereitet wird. Erstaunlicherweise war es wirklich lecker. 

Unsere Wanderung durch die teilweise unwirklich wirkende Natur Spitzbergens war unheimlich schön, hier haben wir die Nähe zur Arktis schon sehr deutlich gespürt, nie zuvor waren wir in einer vergleichbaren Natur unterwegs. Sie wirkt durchaus schroff und abweisend, ich fand sie aber absolut faszinierend und in mir wuchs gleich der Wunsch, irgendwann einmal eine Tour in die Antarktis machen zu wollen. 

Stadtbummel durch Longyearbyen

Nach dem ausgedehnten Mittagessen hat unser Guide uns in der Stadt abgesetzt, unsere Tour war leider schon zu Ende. Wir hatten noch Zeit bis zum Ablegen und haben noch das kleine Städtchen erkundet, wie immer musste noch ein Magnet her. Viel gibt es hier auch nicht zu sehen, einige schnuckelige kleine Geschäfte, ein kleines Einkaufszentrum und das war es auch schon.

Karlsberger Pub

Uns war der Karlsberger Pub empfohlen worden, der sich gerade im Sommer größter Beliebtheit erfreut. Und das hat seinen Grund, der Pub hat keine Fenster und ist damit fast der einzige Ort, in dem man während des Midsommers in Longyearbyen so etwas wie Dunkelheit erlebt. In den Sommermonaten wird es hier abends richtig voll. Wir vermuten, das die Menschen auf den Bildern an den Wänden des Pubs Minenarbeiter waren. Wir haben ein leckeres Bier getrunken und die tolle Atmosphäre des Pubs auf uns wirken lassen.

Der Postkasten des Weihnachtsmannes

Besucher Longyearbyens sind seit 2013 an einem riesigen, roten Briefkasten vorbeigekommen. Wer wollte, konnte hier Post für den Weihnachtsmann einwerfen. Die Idee hatte  Po Lin Lee, die sich mit viel persönlichem Einsatz und Geld für ihr Projekt eingebracht hat. 

Da die Baugenehmigung nur für zwei Jahre galt, begann 2015 das Gerangel um den Briefkasten. Die Optionen waren Abriss oder die Verlängerung der Genehmigung. Es begann ein jahrelanger Streit, der 2017 damit endete, das Po Lin Lee den Briefkasten vorsichtig abbauen ließ, bevor er von der Stadtverwaltung Longyearbyens abgerissen werden konnte.

Heute versucht Po Linn Lee immer noch, ihn an einer anderen Stelle der Stadt wieder aufzustellen, aber auch andere auswärtige Interessenten stehen bereit, um ihm eine neue Heimat zu geben.

Somit hat dieses Foto für uns fast einen historischen Wert und schmückt heute eine Wand unserer Wohnung.

Svalbard Brauerei

Robert und Anne Grete Johansen hatten die Idee, gutes norwegisches Bier auf einem der nördlichsten Flecke der Erde zu brauen. Dies war aber gar nicht so einfach, denn ein Gesetz von 1928 verbot den Ausschank von alkoholischen Getränken, die Minenarbeiter sollten sich nicht ständig betrinken. 

2011 wollte Robert mit dem Bierbrauen starten, 2014 war es dann endlich soweit, das Gesetz wurde geändert und Robert wurde die Braulizenz erteilt. Am 01. August 2015 konnte die Produktion starten, seitdem wächst die Produktion stetig, 20.000 Liter Bier können hier jährlich gebraut werden.

Für 42€ Euro kann die Brauerei besichtigt werden, anschließend wird natürlich noch ordentlich Bier probiert. Termine findet Ihr hier.

Nordenskiöldbreen Gletscher

Nach dem Ablegen haben wir noch einen Abstecher in den Sassenfjord gemacht, um im Tempelfjord, einem Nebenarm des Sassenfjordes vor der Gletscherfront des Tunabreens  vor Anker zu gehen. Die Durchfahrt auf den Gletscher zu konnten wir nur mit Bildern der Bugkamera genießen, da wir eine Heckkabine hatten, dann aber drehte die MS 3 und wir hatten von unserem Balkon aus eine grandiose Sicht auf den Gletscher. 

Mit einem kleinen Boot wurde ein im Wasser treibender Eisbrocken aus dem Wasser gefischt und später wurden auf dem Pooldeck die Drinks mit diesem Eis serviert.

Mit uns zusammen war noch die Amadea von Phönix im Fjord, da war die Poolparty unüberhörbar schon im Gang. Nachdem das Stück Treibeis an Bord war, war es an der Zeit Spitzbergen zu verlassen und Kurs auf Akureyri zu nehmen. Uns hat Spitzbergen wirklich sehr gut gefallen, das war bis jetzt unsere eindrucksvollste Destination, die Lust auf mehr Nordland gemacht hat.

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